In aller Freundschaft

SO! Ich muss jetzt mal was zu Freundschaften mit Schweizer/innen schreiben. Wir wissen ja alle, dass es ein riesen Zufall ist wo wir vom Himmel fallen. Dann sind wir auf der Welt und dann liegt es in den Genen und ein wenig an unseren Eltern, dass aus uns das geworden ist was und wie wir sind. Meine Eltern haben mir immer gesagt, dass wir Menschen ab 20 nicht mehr ändern können. Ich weiss, gerade in Beziehungen nehmen wir das nicht so leicht hin, aber ich glaube es stimmt. Ausserdem hat das ja auch was positives, nach dem Motto: ich bin über 20, da ist leider nichts mehr zu machen- take it or leave it. Der einzige der noch ein wenig an einem verändern kann sind wir also selbst. Selbsterkenntnis, da kommt es darauf an, dass wir  gut reflektieren können. Freunde regen einem  zum Nachdenken an, sie beobachten Dich, hören Dir zu, kennen Dich und sagen Dir die Wahrheit  ins Gesicht. Bestenfalls nur wenn wir danach fragen oder es uns gerade so gut geht, dass wir sie vertragen. Sie meinen es aber nie böse, sie wollen einfach, dass es einem besser geht. DAS ist auf der ganzen Welt so, egal wo wir geboren sind. Nun lebe ich also nicht dort wo ich geboren bin und werde natürlich erstmal kritisch beobachtet. Bist Du des Geldes wegen hier?! Leute! Ich komme aus Berlin! Klar, hatte ich während des Studiums nicht viel Geld, aber ziehen wir wirklich in ein anderes Land, fangen (eben mit über 20) nochmal ganz von vorne an, lassen vor allem unsere langjährigen Freunde zurück- des Geldes wegen? Äh, nein! Nachweisslich ist Geld kein Motivationsfaktor – meine Motivation war intrinsisch. Ich weiss, wie es ist, wenn nicht mehr gefühlt jeder zweite ein „Landsmann“ ist. Während des Studiums habe ich gerne Sonntags zum Brunch eingeladen. Einmal war ich die einzige Berlinern- alle anderen kamen woanders her. Aufgefallen ist mir das aber erst, als ich selber nicht mehr in Berlin gewohnt habe. Es war also nie Thema! In der Schweiz müssen wir um Freundschaften halt mehr kämpfen, aber ist das denn so falsch? Hat nicht jeder ein Recht darauf sich seine Freunde genau auszusuchen, skeptisch zu sein und seine Pforten (analog der Bruncheinladungen) erst zu öffnen wenn es sicher passt? Dann wird es nämlich automatisch nicht oberflächlich. Ich bin Mitglied einer Facebook Gruppe „Deutsche in der Schweiz“ und neulich fragt doch ernsthaft ein Deutscher nach Tips im Umgang mit seiner Schweizer Freundin. Er suche gleichgesinnte, gemischte Pärchen. Nach dem Motto wie sind Eure Erfahrungen im Umgang im Alltag. Ich hätte am liebsten geschrieben, wegen solcher Männer bin ich aus Deutschland weg gegangen, aber das wäre gelogen gewesen und so habe ich geschrieben „Find es heraus, wahrscheinlich will sie so wie alle Frauen (und Männer) auf der ganzen Welt einfach nur geliebt werden“.